Ich mach blau ;-)

Ich mach blau ;-)

Heute mal Blau machen – so kurz nach Faschingsende, am Freitag … ein verlockender Gedanke.
Zum Leidwesen vieler sind (in Österreich) weder Faschingdienstag noch Aschermittwoch gesetzliche Feiertage. Die Versuchung ist daher groß die Fastenzeit mit etwas Erholung im Anschluss an die lustigen Tage zu beginnen. Manche machen dann eben mal blau – was soviel heißt wie: die Arbeit denen zu überlassen, die motivierter sind und sich selbst (unerlaubt) frei nehmen.

Die Phrase stammt ursprünglich aus dem Mittelalter. Damals wurde die Farbe Blau aus dem Färberweid gewonnen. Der chemische Prozess bedingte einerseits große Mengen Urin, den die Gesellen mittels großer Mengen Bier “produzierten”. Andererseits musste das gefärbte Material einige Zeit an der Luft zum Oxidieren aufgehängt werden, damit sich das Indigoblau entwickeln konnte. Diese Zeit war dann meist eine Ruhezeit für die Färbergesellen – die somit Blau machten.

Blau in diesem Fall also ein Synonym für Ausspannen und Erholung? Laut Farbpsychologie nicht nur bei den mittelalterlichen Färbergesellen. Blau ist eine klassische, konstante Farbe die mit Ruhe und Beständigkeit assoziiert wird.

Blau ist übrigens die beliebteste aller Farben - nur 1% aller Männer und 2% aller Frauen mögen kein Blau. Nachzulesen im Buch “Wie Farben auf Gefühl und Verstand wirken”. Dort steht auch, dass Blau primär mit Sympathi, Harmonie, Freundschaft und Vertrauen in Verbindung gebracht wird.

Warum gibt es dann aber keine blauen Gummibärchen?

Wenn schon Blau so positiv und sympathisch besetzt ist – blaue Gummibärchen wären doch da die logische Konsequenz, oder? Der Grund liegt in der menschlichen Natur: nachdem es kaum blaue Lebensmittel gibt, werden solcherart gefärbte als synthetisch und unnatürlich betrachtet. Auch sind die klassischen Gummibärchen mit natürlichen Farbstoffen gefärbt und blau gibt es da eigentlich nicht, zumindest nicht in genießbarer und optisch ansprechender Form. Blaubeeren würden die Farbe eher in Richtung Tiefdunkelblau treiben – auch nicht ideal. Das Bild links oben, mit den blauen Muffins, ist also eher was für den Fasching … oder als Gag gedacht, ähnlich blaue Eiscreme – die gibt es, wird aber primär von kleine Kindern gutiert.

Nun, bei Lebensmittel wird Blau demnach weniger gerne eingesetzt. Allerdings  zeigt sich hier langsam ein “Paradigmenwechsel”: u.a. Activia und auch andere setzen vermehrt auf Grün – als Symbol für gesund, biologisch, naturnahe.

Nach wie vor beliebt ist Blau um Nahrungsmittel ins rechte Licht zu rücken. Wenn man die Kühlabteilungen in den Supermärkten betrachten, erkennt man, dass Blau (als Farbe und als Licht) hier  gezielt bei Milch und Milchprodukten eingesetzt wird. Schließlich wird Blau in Verbindung mit Weiß als frisch, kühl und sauber empfunden  – das was Milch nun einmal sein sollte.

Zwar ist Blau klassisch die Farbe, mit der man Kälte assoziiert. Aber sie ist auch die Farbe Marias, der Mutter Gottes, die meist mit einem blauen Umhang oder Schleier dargestellt wird. Ob es damit zusammenhängt, dass Blau eine der Primärfarben ist? Also eine Farbe, die sich nicht aus anderen durch Mischen herstellen lässt. Vermutlich liegt es eher daran, dass Blau ursprünglich die weibliche Farbe war – Rosa als klassische Mädchenfarbe ist erst seit relativ kurzer Zeit modern (kulturhistorisch gesehen). Ursprünglich assozierte man demnach Blau als weibliche und Rot als männliche Farbe.

Laut www.heiligenlexikon.de ist der Grund für Blau als die Farbe Marias übrigens der, dass diese Farbe als Symbol der Reinheit gesehen wurde/wird … womit wir wieder bei der Milch wären ;-)

Blau – die beliebteste Farbe also. Da fehlt eigentlich nurmehr die Musik: “Indigo Girl” zum Beispiel. Ein Song der Gruppe “Watershed” über ein Mädchen, das sofort auffällt aber irgendwie unerreichbar ist.  Oder “Blue Monday” von Fats Domino und oftmals gecovert (z. B. v. Cat Stevens).

Wobei Fats Domino in seinem Song vom “blauen Montag” eher die negative Bedeutung von Blau hervorkehrt: laut Cliff Arnall, einem englischen Psychologen, ist der dritte Montag im Jänner der unglücklichste, deprimierendste Tag. Neujahr ist vorüber und mittlerweile haben bereits die meisten ihre Vorsätze vergessen. Rechnungen kommen und am Ende des Geldes ist noch immer recht viel Monat über. Blau hier als kühle, ernüchternde und realitäsnahe Farbemotion.

Blau – im Werbe/Marketingbereich: ein Klassiker. Vor allem wenn es um die Bereiche Kommunikation, Kompetenz und Vertrauen geht. Blau steht für konstante Wertebegriffe und sollte auch in diesem Bereich eingesetzt werden.

In diesem Zusammenhang gesehen bekommt die Phrase “blau machen” nun schon fast etwas legitimes, schießlich trägt Blau ja zu Ruhe und Frieden viel bei – und wer will das nicht? ;-)

In diesee Sinne: ich mach dann  mal blau – und wünsche ein schönes Weekend!

Artikel/Beiträge mit thematischem Bezug:

  1. Die Farbe der Sünde