Zu dumm?
Immer schön, wenn man einen passenden Schuldigen hat. Schließlich entbindet einem dies von der Anstrengung, sich mit sich selbst oder allfälligen eigenen Unzulänglichkeiten auseinanderzusetzen.
Anders lässt sich die Aussage des hochrangigen Militärs General James Mattis nicht interpretieren: “Power Point macht uns dumm.”
Der General prangerte in seiner Rede die Unzulänglichkeiten des Präsentationstools bei der sinnhaften Vermittlumg von Informationen an. Und vergisst dabei, dass weniger das Programm als vielmehr der Nutzer, der es verwendet, für die Klarheit und Vollständigkeit der Inhalte verantwortlich ist – in erster Linie.
An nächster Stelle stehen der oder diejenige, der die Präsentation vorträgt, sofern 1. und 2. nicht die gleiche Person sind. Und nicht zu vergessen an dritter Stelle: es gibt auch so etwas wie eine Pflicht beim Zuhörer und Empfänger der Botschaft. Nämlich nachzufragen, wenn etwas unklar, unverständlich oder zu wenig aussagekräftig ist, oder wenn man weitere Infos zwecks Entscheidungsfindung benötigt. Vor allem, wenn es sich um wichtige, strategischen Entscheidungen handelt.
Ok, das wären dann allerdings aber mehrere “Schuldige”, die sich dem korrekten Inhaltsvermitteln und -erfassen durch Unterlassung entzogen hätten.
Leichter ist es natürlich sich auf die Inkompetenz eines Programmes zu berufen.
Richtiger aber ist: nicht Power Point macht uns dumm, sondern sinnentleerte Vorträge, garniert mit einschläfernden Diagrammen, langweiligst vorgetragen oder gar nur als Handzettel ausgedruckt. In Kombination mit der vielerorts herrschenden Unlust sich Inhalte kritisch anzusehen, alles zu glauben was geschrieben und gesagt wird, nicht zu widersprechen sondern den Sachverhalt einfach so zu akzeptieren … daraus entsteht eine Kommunikationskultur, in der Sender die uneingeschränkte Macht haben, alles zu steuern, inklusive der Empfänger.
Mit Hilfe des Internets und moderner Computerprogramme ist ein breites Spektrum an Informationsmedien und -Möglichkeiten entstanden. Als Menschen sind wir nun gefordert, diese neuen Kanäle kritisch und bewusst zu nutzen. Willkommen im kommunikativen Evolutionszeitalter!

