Wörter sind wie Schokolade
Zart schmelzend der Satz: “Ich habe mich so gefreut, dich hier zu sehen!” Das zergeht genussvoll und hinterlässt einen guten Nachgeschmack. Eher unter dem Begriff “Edelherb mit 95%” anzuordnen: “Wäre Intelligenz was zum Essen, würdest du allergisch darauf reagieren.“ … Autsch, das liegt länger im Magen als echte Schoko auf den Hüften.
Beim nächsten Beispiel scheiden sich die Geister betreff Nährwert, wenn z.B. der Feedback-Satz so beginnt: “Da bin ich ganz bei dir, aber: …” Das ist besonders in Trainer/Coaches-Kreisen sehr beliebt, man versteht darunter oft ein “Ich bin sehr reflektiert bei meinem Feedback und sag dir meine Meinung durch die Blume“. Was man dann schlucken kann oder man lässt es bleiben, je nach Geschmack und Bedarf.
Wörter haben Macht. Speziell in Sätzen angeordnet, aber auch einzeln wirken sie mit Nachdruck auf das, was bei uns Menschen für Entscheidungen und Motive verantwortlich ist: unser Unterbewusstsein. Ein Satz kann ein Leben zerstören oder einem in selbiges zurückholen, kann ermuntern oder uns in den Schlaf wiegen, kann motivieren oder Stillstand auslösen. Ein Wort, laut ausgesprochen, ruft das Genannte herbei, lässt es vor unserem geistigen Auge entstehen und weckt Erinnerungen, Gedanken, Assoziationen.
Wörter sind Magie. Sie rufen herbei – denn was genannt wird existiert, auch wenn es noch nicht real hier steht. Klassisches Beispiel: Denk nicht an rosa Elefanten. Welches Bild entsteht vor dem geistigen Auge? Richtig: ein rosa Elefant. Zwar “nur” in unserer Fantasie, aber das reicht fürs erste. Der Elefant, der rosige, ist da. Und was man sich vorstellen kann, dass kann man auch realisieren … so ähnlich hat es uns eine Baumarkt-Kette erklärt
Und wer hat noch nicht von der berühmt-berüchtigten “self-fulfilling-prophecy” gehört.
Wörter sind wie Schockolade. Manche kann man genießen, die geben ein gutes Gefühl und machen kurz glücklich. Manche sind zu fett und süß, die schmecken nicht und liegen einem schwer im Magen, verursachen mitunter Kopfschmerzen und Magengeschwüre. Manche sind anfangs herb, fast rauh, wollen nicht so recht munden, müssen erst erobert werden – aber sind in ihrer Wirkung und Ehrlichkeit gesünder, nährender und langfristig beglückender als rascher, niedrigprozentiger Schmelzgenuss. Und manche offenbaren beim Hineinbeißen einen erfrischenden, fruchtigen, wohlschmeckenden Kern, der in Kombination mit der herben Süße der Schockolade ein einmaliges Geschmackserlebnis verursacht, dass im Unterbewusstsein lange nachwirkt.
Wünschenswert wäre es, mit Worten ähnlich sorgfältig und überlegt umzugehen, wie mit dem Genuss von Schockolade. Beim Verteilen und beim Annehmen – schließlich darf man ja auch “Nein, Danke – ich bin grad auf Diät” sagen. Denn Niveau ist ja keine Handcreme, also nicht bei jedem Menschen gleichermaßen vorhanden. Es zu erwarten ist ok, es vorzufinden ein gutes Gefühl, aber leider nicht immer da

