Wie sinnvoll ist käufliche Liebe?
Bevor die Erwartungen ob des Titels in falsche Richtungen gehen: sorry, aber es geht um Social Media … und das aktuell stark boomende Geschäft mit den gekauften Fans.
Die neue Plattform Google+ ist noch nicht mal offiziell für alle verfügbar, da werden die raren Einladungen bereits auf Ebay versteigert.
Beim Google-Plus-Button (dem Pendant zum FB-Like-Button) ist der Mörtel vom Einbau noch nicht ganz trocken, da gibt es schon Anbieter, die einem 1000 Plus-Klicks innerhalb von wenigen Tagen verkaufen können.
Eine neue Fanseite auf Facebook und die Mindestzahl von 25 Fans für die begehrte Vanity-Url ist noch in weiter Ferne? Kein Problem: für 50 Euro bekommt man 100 Fans. Aber warum kleckern, wenn man mit knapp 850 Euro auch gleich 10.000 Fans bekommen kann? Das macht 1,18 Euro je Fan. Günstig, wenn man bedenkt, dass man ansonsten einiges an Zeit und Geld in den Content stecken muss, um diese Fanzahlen auf normale Weise (also ohne Kauf) zu erreichen.
Und Hand aufs Herz: wer hätte nicht gern eine große, glückliche und enthusiastische Fangemeinde auf seiner FB-Seite. Eine die sich einbringt und mitdiskutiert, die Infos weitergibt und für eine virale Verbreitung der Beiträge sorgt. Das muss einem doch 850 Euro wert sein! … oder sogar mehr, denn das ist nur der Preis für internationale Fans, also aus der ganzen Welt. Wer seine Fangemeinde ein bisschen heimischer will, der legt noch knapp 550 Euro drauf und bekommt die Fans in der passenden Landesfarbe. Praktisch, oder?
Aber sinnvoll ? … das wohl eher nicht. Und der innere Enthusiasmus der “Freunde” wird vermutlich auch eher flach sein. Die haben ihr Geschäft mit dem Klick auf den Button erfüllt und in weiterer Folge wird diese Fanseite aus ihrer Timeline ausgeblendet. Wozu sich mit dem Kunden länger als nötig beschäftigen, wenn der nächste schon wartet. Inhalte teilen, kommentieren, empfehlen? Kostet extra.
Denn mit gekauften Freunden ist es wie mit der realen, käuflichen Liebe. Die gibt es bekanntlich ja schon ewig, wenn man dem Spruch vom “ältesten Gewerbe” der Welt Glauben schenken darf. Also gibt es sichtlich auch die Zielgruppe, die dafür Bedarf hat und dieses Angebot aktiv nutzt. Grundsätzlich OK – jeder Mensch hat im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, die Chance seine Bedürfnisse auszuleben. Das gleich gilt natürlich auch für diejenigen, die bereit sind, für einen Fan auf ihrer Seite ein paar Euros hinzulegen. Wenn der Bedarf da ist, wird es jemanden geben der ihn deckt.
Doch wer glaubt, sich damit echte und ehrliche Freundschaft zu kaufen - also Menschen, die ein “Gefällt mir” vergeben, weil ihnen der Inhalt der Seite und die Angebote zusagen, der täuscht sich genauso wie der, der meint sich die wahre Liebe auf der Straße oder in einem Bordell kaufen zu können.
Wohlgemerkt: es geht hier nicht um Moral! Das muss jeder für sich selbst definieren. Sondern um die brutale, harte Tatsache, dass wahre Freunde und Fans nicht käuflich sind. “Pretty Woman”, der Film mit Julia Roberts und Richard Gere, ist ein Märchen. Sehr schön, sehr romantisch – aber eben nicht den normalen, realen Tatsachen entsprechend.
Wem es nur darum geht, dass die Seite optisch von den Fanzahlen her gut dasteht und in den diversen Rankings auf der ersten Seite auftaucht – der ist mit der Kauf-Methode vielleicht gut dran … vielleicht, denn auch die Suchmaschinen und Ranking-Verantwortlichen sind dieser Art von Manipulation auf der Spur. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass die Seite im Verdachtsfall aus den Listen rausgekickt wird … das kann speziell bei Google sehr schmerzhaft sein und eine Wiederaufnahme in die Verzeichnisse sehr langwierig und mühsam.
Wer sich entscheidet, den natürlichen aber auch langsameren Weg zu gehen, die Fans mit interessantem Content versorgt, der gerne weitergeteilt und verbreitet wird – der braucht mit Sicherheit länger … aber hat dafür auch die Sicherheit – dass nämlich die Fans ein inneres Interesse an der Seite haben und man die Freunde bekommt, die einem auch wirklich unterstützen und im günstigsten Fall auch zu Kunden und Multiplikatoren mit Herz werden.
Also – Mesdames e Monsieurs: Sie haben die Wahl! Freunde fürs Leben oder gekaufte Liebe? … ihr Einsatz bitte!
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