Alte Website: bitte löschen!
Vor einigen Wochen, eigentlich Monaten, habe ich über tote Profile in den diversen Social-Network Plattformen geschrieben (siehe: Gehet hin in Frieden und löscht die Leichen) – diesmal geht es um etwas ähnliches, nämlich Firmen-Websites, die seit Gründung und ins Netzstellung einsam, ungepflegt und völlig überaltet vor sich hingammeln.
Meine dringender Aufruf: um weitere Schäden an Reputation und Aussensicht zu vermeiden – bitte diese Seite umgehend löschen!
Nein, die halten nicht noch ein paar Wochen, Monaten bis man sich endlich zu einem halbherzigen Relaunch durchgerungen hat.
Sorry, es ist ein Irrtum zu glauben, dass da eh keiner reinschaut (und wenn man das glaubt, dann hat das Web-Schaufenster ausserdem ja doppelt keinen Sinn).
Ja, ist schon ok - der Anfangsenthusiasmus ist verflogen (wenn es denn den überhaupt gegeben hat), der/diejenige, der dreimal hochheilig versprochen hat die Seite zu warten, ist entlassen/unabkömmlich/chronisch unzuverlässig/völlig überlastet/den hats nie gegeben …
Ja bitte, es ist mir ernst damit: raus mit der Leiche, bevor sich die Totenstarre auf den Betrieb dahinter auswirkt und der Schaden nach innen geht.
Dies betrifft ganz speziell Seiten, die Begriffe und Unterseiten wie “Aktuelles“, “News“, “Termine” … verwenden und entsprechende Rubriken aufweisen und wo man beim Reinklicken auf alte, verstaubte, völlig verjährte Inhalte stößt, die einen mit toten, traurigen Augen ansehen. Grausig und im Grunde genommen eigentlich eine Beleidigung der vorbeikommenden UserInnen.

Mag sein, dass das bei der Planung noch anders gedacht war. Da gab es vielleicht konkrete Ideen, was man da nicht alles reinstellen will und wird. Und vielleicht gibt es sogar Infos, die da dringend reingehören, aber es findet sich keiner, der es tut.
Mag sein, dass der/die Designer/in sich da was besonders Sinnvolles gedacht hat und das entgegen der Bedenken der InhaberIn umgesetzt hat.
Schon möglich, dass das eh seit Tagen, Wochen, Monate auf der To-do-Liste steht und halt mangels Zeit, Lust, Know-How immer wieder nach unten rutscht.
Egal was es für Gründe gab und gibt: bitte diese Seiten entweder komplett vom Netz nehmen – speziell wenn sie zusätzlich überaltet sind (älter als 5 Jahre) und vielleicht noch aus der Frame- und Flash-Zeit stammen. Oder sie auf ein anständiges und sinnvolles Niveau zurechtstutzen (lassen). Also diese verräterischen “News” und “Aktuelles”-Teile rausnehmen (lassen) und die Website zu einer reinen Infoseite umzuwandeln, wo lediglich die wichtigsten Daten zum Unternehmen stehen.
In dem Zug kann man vielleicht gleich mal schauen, ob die Daten überhaupt noch stimmen – speziell die Kontaktdaten, aber auch Infos im Bereich der Angebote, Produkte und Dienstleistungen …
Und wenn die auch schon Staub und Patina angesetzt haben: bitte löschen. Alles.
Wem das zu hart erscheint, der kann ja eine einzelne Infoseite mit Kontaktdaten (Webvisitenkarte genannt) reinstellen (lassen). Aber das Konstrukt dahinter, das alte und baufällige, muss abgerissen werden.
Klingt zu hart?
Man muss doch im Web präsent sein?
Wenn man das tut, dann scheint man auch in den Suchmaschinen nicht mehr auf?
Ja, ist hart aber fair – dem eigenen Unternehmen, den KundInnen und den UserInnen gegenüber. Ihr Unternehmen hat sich mehr Liebe und Aufmerksamkeit verdient, denn eine alte und nicht mehr aktuelle Website.
Im Web präsent zu sein bringt nur dann etwas, wenn die Infos aktuell und sinnvoll sind. Alte News, verjährte Termine, falsche Kontaktinfos etc. sind schädlich. Oder wollen Sie als “Bad Practice”-Beispiel dienen und sich als verwahrlost und verlottert präsentieren?
Ja, wenn man das tut, dann ist man raus aus den Suchmaschinen - und zwar mit den alten Infos, mit den toten Inhalten, mit dem lieblosen Auftritt. Zwar werden im Internet noch auf ewig Datenfragemente davon rumgeistern (denn das Internet vergisst bekanntlich nichts) und irgendwo, irgendwie und irgendwann wird man immer wieder darüber stolpern. Aber die Hauptbaustelle ist mal weg und der Schaden kann begrenzt werden.
Der Grund für die strikte Aufforderung: die Zeiten haben sich geändert. Klingt pathetisch, ist aber so. Denn mit dem immer stärker Werden der Social-Networks/Social-Media-Plattformen rücken Inhalte wieder konkret ins Rampenlicht. Und zwar sinnvolle Inhalte, die einen Nährwert/Mehrwert bieten, die informieren und ganz einfach Sinn machen.
Die Altergruppen, welche sich im Netz tummeln, werden immer durchmischter und mittlerweile zählt es zum klassischen Vorgehen, dass man zuerst im Netz nachsieht, welche AnbieterInnen es zu einem bestimmten Produkt oder für eine Dienstleistung gibt. Hat man vielleicht schon realen Kontakt mit einem Unternehmen und entdeckt dabei die Website (vielleicht über die Email-Adresse), dann ist es Usus geworden, da im WWW nachzuschauen wie sich diese Firma virtuell präsentiert und was man zusätzlich für Informationen bekommt.
Und da tauchen dann Seiten auf, die tun einfach weh - dem Betrachter, der Betrachterin, die sich mit Grauen und Kopfschütteln abwenden, oft auch gleich von der Firma selbst. Und dem Unternehmen bereitet das Schmerzen, denn die Online-Reputation ist da, wo die Seite vermutlich schon länger hingehört: im Eimer.
Wer das will, wem das egal ist – ok, jeder muss selbst entscheiden und darf dazu dann auch die Konsequenzen tragen. Wie gesagt: die Welt ist ein Dorf und bad News (über andere) sind immer auch good News, weil gern gelesen.
Wer das nicht will: siehe Titel dieses Artikels – oder das Ganze umarbeiten, eventuell im kleineren, sinnvolleren Rahmen am Leben lassen. Oder sich jemanden suchen, der das aktuell hält, der Inhalte reinstellt, die Sinn machen und das Unternehmen und die Kunden nähren, informieren, stützen.
Aber generell: die Tatsache akzeptieren, dass Nichts-Tun, das Ignorieren von geänderten KonsumentInnen-Verhalten dem eigenen Ansehen und dem Unternehmen schadet, nachhaltig.
Wer grundsätzlich mit den neuen Medien so seine/ihre Probleme hat, Emails selten bis nie abruft und noch seltener beantwortet, wer zwar eine Mail/Web-Adresse hat, aber die eigene Visitenkarte befragen muss um zu wissen, wie die genau lautet – der/die ist besser im Offline-Modus aufgehoben, wer denkt, dass das Web eh nur eine weitere Auslage ist und da sowieso keiner bis niemand reinschaut – der sollte sich zu einem kompletten Abschied aus dem Online-Leben aufraffen.
Denn, wie ich in einem anderen Artikel (Social Media Fact: Du musst es lieben) schon geschrieben habe, zwar zum Thema Social Media, aber das passt auch hier: man muss es mit Liebe tun oder lieber sein lassen.
Mit “Muss” und Widerwillen geht im Web schlichtweg gar nichts und gut überhaupt nicht.

